Wahrscheinlich keine. Aber die gestrige Aussendung der Wiener Roten („Opposition will sozialdemokratisches Wien zerstören! FPÖ, ÖVP und Grüne packeln, um SPÖ-Bürgermeister zu verhindern!“) lässt mich am ersten Blick ähnliches vermuten und verleitet regelrecht zur kecken Headline.
Ausgangspunkt für die rote Panikattacke sei die Aussage des FPÖ-Klubobmanns Eduard Schock, dass Grüne, ÖVP und FPÖ „noch einige Überraschungen bereit“ hätten. Punkt, das war’s. Der Rest ist – meines Erachtens – nicht einmal Interpretation, sondern bewusste Steuerung der SPÖ. Und das auf einem Niveau unter aller Sau.
Zwei Tweets zum Thema des Wiener SP-Klubobmanns Siegi Lindenmayr irritieren mich außerdem:

Zum ersten Tweet: Die FPÖ bestätigt Gespräche? Aha. Da fragt die SPÖ offensichtlich nicht bei den Grünen nach, sondern glaubt den Blauen. Das spricht doch – wenn schon Deutung – eher für ein rot-blaues Vertrauensverhältnis. Oder?
Zum zweiten Tweet: Immer mehr schwarz-grüne Koalitionen? Aha again. Könnte sich bitte jemand die Mühe machen, alle rot-schwarzen Koalitionen der zweiten Republik zusammen zu schreiben. Kooperieren mit Schwarz ist bei der SPÖ offensichtlich immer nur dann kacki, wenn’s um die Grünen geht.
Mensch kann von den Grünen halten, was mensch will. Aber eines ist der Partei keinesfalls vorzuwerfen: Die Liebäugelei mit Strache & Co. Im Gegenteil: Die FPÖ steht manchen immer wieder zuviel im Mittelpunkt der grünen Aufmerksamkeit. Von einer Nähe kann nie und nimmer die Rede sein! Zumindest habe ich noch nie derartiges irgendwo wahrgenommen.
Sprich: Die SPÖ will den WienerInnen mit allen Mitteln ins Gehirn trichtern, dass die rote Absolute der einzig wahre Segen für die Stadt sei, und stellt Grün (!) und Blau (!) auf eine Ebene. Und dafür gibt’s eben nur folgende Erklärungsmöglichkeiten: verzerrte Wahrnehmung, boshafte Absicht oder – doch Rausch?
Header via flickr von sabeth781 / Ray (CC-Lizenz)
Screenshot von twitter.com/SiegiLindenmayr

