Raus aus der SPÖ statt ständiger Rettungsversuche

Raus aus der SPÖ statt ständiger Rettungsversuche

Die sozialistische Jugend Österreichs verwundert mich immer wieder. Eine Vorfeldorganisation der SPÖ, die ihrer Mutterpartei nicht immer die Stange hält, entsprechend offensiv auftritt und inhaltliche Positionen transportiert, die mir durchaus sympathisch erscheinen.

Verdächtig wird’s immer dann, wenn Wahlen anstehen. Dann mutiert das Erscheinungsbild der SJ zur kritiklosen SPÖ-Sektion, die JungsozialistInnen verteilen brav Gimmicks für die Partei und rufen zur SP-Stimme auf.
Seit einer gefühlten Ewigkeit verliert die SPÖ dann diese Wahlen und die SJ rückt wieder ins Erscheinungsbild. Diesmal mit der Mission: Da muss sich was ändern!

Meine Verwunderung bezieht sich aber nicht nur auf die SJ, sondern auf sämtliche “kritische Stimmen” innerhalb der SPÖ. Ständig bekomme ich das Gefühl vermittelt, dass linke und kluge Köpfe rund um die Partei die SPÖ “retten wollen” – mit dem naiven Ziel, dass sich die Partei “wieder erholt”. Und ich glaube sehr, dass es besagten Menschen reichen würde, wenn sich die Wahlergebnisse erholten und nicht die Inhalte.

Wie können sozialistische Herzen es im Sinne haben, dass sich die Ergebnisse einer Partei erholen, die einst mit der schwarz-blauen Rechtskoalition deren Asylgesetz (als Opposition!) mitverschärft hat, die ständig um die Gunst der Kronen Zeitung buhlt und die – wie erst dieser Tage geschehen – in Wien ein Bettelverbot Marke FPÖ/ÖVP beschließt und damit nicht die Armut, sondern die Armen bekämpft.

Mensch kann von den Grünen halten, was mensch will: Aber diese Partei hat es geschafft, in Österreich einen stabilen 10-Prozent Block aufzubauen und zu halten, der meines Erachtens sämtliche Positionen und Vorhaben des linken SP-Flügels mitabdecken könnte. Wieso die marode SPÖ retten, wenn es eine Partei gibt, die in sozial-, integrations-, kultur-, frauen- und wasweißichwaspolitischen Fragen genau dort steht und werkt, wo ich besagte GenossInnen vermute?

Ich befürchte wirklich, dass es hier größtenteils nur um politische Sozialisation und romantische Vereinsmeierei geht. Diese Menschen wollen und können sich nicht lösen vom (eh nur noch winzig kleinen) Spirit einer sozialistischen Folklore. Keine roten Fahnen? Kein erster Mai? Kein Freundschaft? – Dann lieber der SPÖ die Stange halten, die Rechtspolitik letztlich mitertragen und gelegentlich ein bissi raunzen.

PS:
Letzten Mittwoch habe ich Wolfgang Moitzi, dem Vorsitzenden der Sozialistischen Jugend, via Twitter und der ATV-Sendung “Am Punkt” folgende Frage gestellt: “Wieso engagieren sich die Linken in der SJ nicht bei den Grünen anstatt ständig die marode SPÖ retten zu wollen?”

Darauf bekam ich folgende Antwort:
“Ich glaube, dass die Sozialdemokratie in Österreich trotz der Schwächen jetzt noch immer die einzige politische Kraft ist, die diesen sozialen Fortschritt, diese Modernisierung voran treiben kann. Und deshalb engagiere ich mich in der SPÖ. Und deshalb ist die SJ auch in der SPÖ und kämpft auch die sozialistische Jugend für diesen Kurswechsel.”

Screenshot | ATV Am Punkt | 24.03.2010

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