Vorab: Ich bin ein glühender Fan von Claus Peymann. Seine 80er- und Früh90er-Inszenierungen im Wiener Burg- und Akademietheater habe ich – als damaliger Jungspund – regelrecht aufgesaugt und herzhaft genossen. Noch wichtiger erschien mir seine Funktion als Theaterdirektor derselben Häuserkombi. Er hat Schwung, Engagement und viele neue Menschen ins Haus gebracht. Zum Beispiel mich – als Zuseher. Ein kantiger Zugang, leistbare Karten, spannende Features und der Schlussstrich mit der verstaubten Abo- und Eliten-Karten-Verschenk-Kultur prägten seine Zeit. Seit 1999 leitet er das Berliner Ensemble, wo er unter anderem 2000 Shakespeares Drama „Richard II“ inszenierte.
Am 9. Jänner 2009 kehrte der Regisseur Claus Peymann damit zurück ans Wiener Burgtheater. In einer Neubearbeitung mit vielen neuen SchauspielerInnen erlebt der selten gespielte Klassiker seine zweite Premiere. Ich war dabei.
Und ich war nervös. Was, wenn mein Vererhrertum nich halten darf? Zu lange habe ich keine Peymann-Regie gesehen. Hat er sich verändert? Habe ich mich verändert? Was wenn? Mal sehen. Alle Fragen hinfällig, denn Richard II liefert mir einen Peymann, der in den Alltime-Charts meiner Theatererlebnisse in den Top 10 einen gepflegten Platz finden darf.
Es ist gut und berreichernd, dass die Theaterwelt mehr kennt als Shakespeare, Peymann und das Burgtheater. Aber als Teil des Ganzen versteht es diese Dreiheit einmal mehr zu faszinieren. Zumindest mich.
In der Übersetzung von Thomas Brasch wird hier ein uralter Text stimmungsvoll über die Bühne gefegt; der gestrige Sound bleibt bei gleichzeitiger Verständlichkeit erhalten. Die SchauspielerInnenschaft überzeugt ausnahmslos. Achim Freyers Bühnenbild und die Kostüme von Maria-Elena Amos ergänzen das eindrucksvolle Gesamtbild. Empfehlenswert. Sehr.
Umso mehr freue ich mich, dass es bei diesem einmaligen Wien-Besuch Peymanns nicht bleibt. Nächste Saison inszeniert er am Wiener Burgtheater (in Kooperation mit dem Berliner Ensemble) Peter Handkes neues Stück “Immer noch Sturm (Storm Still)” – angeblich mit Gert Voss.
Und: Gert Voss ist auch Gott. Es gibt viele GöttInnen.
Oder auch keineN.
Egal. In diesem Zusammenhang.
Foto: flickr by Nils Bremer (CC)
